Hautkrankheiten

Wen juckt's

Warum die Krätze immer wieder wie scheinbar aus dem Nichts entsteht

 

 

Parasiten haben eines gemeinsam: Sie suchen sich immer einen Wirt, der sie ernährt und ihnen ein Zuhause anbietet. Oft ist es der nächtliche, unerträglich starke Juckreiz, der den Patienten quält und ihn zur Abklärung zum Hautarzt führt.

 

Neben Kratzspuren an typischen Stellen des Milbenbefalls, wie z.B. den Fingerzwischenräumen, den Brustwarzen bei Frauen, dem Bauch und insbesondere Unterbauchregion, dem Befall von Penis oder Schamlippen zeigen sich kleine stecknadelkopfgroße Erhebungen von teils fester oder bläschenartiger Beschaffenheit. Bakterielle Zusatzinfektionen können zu Entzündungen führen, die mit Eiter- und Krustenbildung einhergehen können. In einem späteren Stadium können flächige Ausschläge hinzukommen, die durch eine allergische Reaktion auf die Milbenbestandteile entstanden sind.

Die Diagnosestellung ist für den Hautarzt in der Regel einfach, jedoch gibt es auch Menschen, die, obwohl sie von Krätzmilben befallen sind, nur sehr diskrete oder gar keine Symptome aufweisen. In der Regel werden die Krätzmilben durch Kuscheln, intensiven Körperkontakt oder Geschlechtsverkehr übertragen. Aber auch in Bettwäsche, Matratzen, Schlafsäcken oder anderen Textilien können die Krätzmilben ohne Nahrungsaufnahme bis zu 14 Tage überleben. Besonders wichtig ist es deshalb die Infektionskette zu erkennen und durch therapeutische und hygienische Maßnahmen zu unterbrechen. Dies gilt insbesondere für soziale Einrichtungen, wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Seniorenheime.

 

Das kaum sichtbare, nur ca. 1/3 mm große Weibchen bohrt sich innerhalb von 30 Minuten in die Hornschicht der menschlichen Oberhaut ein. Im Laufe der maximal 8-wöchigen Lebensdauer kann ein Weibchen bis zu 50 Eier in die Bohrgänge der Oberhaut ablegen. Nach ca. 14 Tagen haben sich die Männchen, nach ca. 21 Tagen die Weibchen entwickelt. Die Krätzmilben ernähren sich von Lymphe, Zellflüssigkeit und Bestandteilen der Oberhautzellen. Die ersten Symptome entwickeln sich erst nach ca. 2 ? 6 Wochen. Der oft sehr heftige, nächtliche unter Bettwärme entstehende Juckreiz wird unter anderem auf die Bohrtätigkeit der Milbenlarven zurückgeführt. Während in der Anfangsphase der Infektion eher vereinzelte Hautläsionen erkennbar sind, kann im fortgeschrittenen Stadium eine allergische Reaktion auf den Milbenkot und die abgestorbenen Milbenkörper entstehen, die den Juckreiz der ersten Vermehrungsphase der Krätzmilben noch übersteigen kann.

 

Für die Betroffenen besteht dadurch oft die Sorge, dass vielleicht das applizierte Medikament nicht geholfen haben könnte, da ja weiterhin Juckreiz besteht. Nicht selten sind auch Patienten, die an Neurodermitis leiden, besonders schwer betroffen, da durch das Bekratzen der Milbenreaktion die Neurodermitis verstärkt werden kann. Die wichtigste Maßnahme, um den Infektionsweg zu unterbrechen, ist deshalb die gleichzeitige Behandlung aller Personen, die mit dem Betroffenen in körperlichem Kontakt standen, auch wenn bisher keine Symptome vorliegen.

 

Dem Hautarzt steht inzwischen eine Palette gut wirksamer Medikamente mit einer hohen toxikologischen Sicherheit zur Verfügung. Dies ist insbesondere bedeutsam, da auch Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, Stillende. Immungeschwächte sowie Menschen mit stark geschädigten Hautpartien wirksam und schonend zu behandeln sind.

Auch wenn die Milben hierdurch abgetötet werden, kann es noch einige Tage dauern, bis sich der normale Hautzustand und der erste erholsame Schlaf wieder einstellen.

 

 

Weitere Beiträge von Dr. Erik Senger, Hautarzt in Rödermark, finden Sie unter "Wenn's um die Haut geht"




Fotoquelle: ABDA


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